Leitlinien in der Anthroposophischen Medizin

Die Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland wird zu aktuellen medizinischen Themen, die eine individuelle, gute Entscheidungsfindung von Patient und Arzt erfordern, Leitlinien erstellen.
Diese dienen als Orientierungs- und Entscheidungshilfe für den Arzt und sollen die verschiedenen Aspekte des Themas so aufbereiten, dass sachlich und rechtlich der freie Entscheidungsspielraum für Patient und Arzt heraus-gearbeitet wird. Diese Leitlinien werden zum Teil begleitet von einem Merkblatt für Patienten.
Nicht der Ersatz freier Entscheidungen durch Richtlinien einer Fachgesell-
schaft, sondern das Gegenteil wird angestrebt: die freie Entscheidung von Patient und Arzt zu fördern, die individuell für diesen Patienten, in dieser Situation die stimmige, als gut und authentisch empfundene, selbst verantwortete Entscheidung sein soll.

 

Es existieren GAÄD-Leitlinien zu folgenden Themen:

Vitamin-K-Prophylaxe im Säuglingsalter

Bei dem Thema Vitamin-K-Prophylaxe des Säuglings treffen die Entscheidung nicht der Betroffene, sondern seine Eltern, gilt die Entscheidung nicht einer konkret therapeutischen Frage, sondern der Prävention eines extrem seltenen, aber schwerwiegenden Ereignisses. Dies macht den Umgang mit dieser Frage besonders schwierig, umso dringlicher erschien es, hier Eltern und Kollegen eine Handreichung für ihre Entscheidungsfindung anzubieten.

GAÄD-Leitlinie Vitamin-K-Prophylaxe im Säuglingsalter »

Merkblatt Vitamin-K-Prophylaxe » 

 

HPV-Impfung

Seit kurzem gibt es eine Impfung gegen Humane Papilloma-Viren (HPV), die in erster Linie vor einer Erkrankung an Gebärmutterhalskrebs schützen soll. Obwohl über die HPV-Infektion und die HPV-Impfung in den Medien berichtet wird, sollten Sie sich Zeit nehmen, um in Ruhe  zu überlegen, ob diese Impfung für Sie sinnvoll ist. Dieses Merkblatt soll Ihnen bei der Entscheidung helfen, ob Sie oder Ihre Tochter die Impfung in Anspruch nehmen wollen. Die nun zur Verfügung stehende HPV-Impfung wird von führenden Vertretern der Fachgesellschaften wie auch in den Medien gelobt als Durchbruch in der Krebs-Prophylaxe und deshalb sehr propagiert. Von mehreren Seiten wird eine flächendeckende Einführung der Impfung gefordert. Die Patientenaufklärung wird oft mit Informationen der Pharmafirma durchgeführt und die Nachfrage der Eltern und Jugendlichen ist groß. Eine differenzierte Beurteilung des Zusammenhangs zwischen HPV-Infektion und Zervixcarcinom sowie der Auswirkung einer HPV-Impfung ist in der aktuellen einseitigen Datenlage nicht leicht, aber desto notwendiger für eine gewissenhafte Patientenbetreuung. In dem Sinne legen wir hiermit eine kritische und von der gängige Empfehlung abweichende Hilfestellung zur Urteilsbildung im Form dieser Leitlinie mit dazugehörigem Patientenmerkblatt vor.

GAÄD-Leitlinie zur HPV-Impfung »

Zum Merkblatt HPV-Impfung »

Masernerkrankung und Masernimpfung

Nach wie vor sind Masern ein gravierendes gesundheitliches Problem in der Dritten Welt: Weltweit starben 2003 nach Angaben der WHO noch etwa 530 000 Menschen – die Mehrzahl Kinder – an Masern. Insgesamt kann in den Industrienationen mit einer Masernsterblichkeit in der Größenordnung zwischen 1:10 000  bis 1:1000 gerechnet werden; ein relativ höheres Risiko tragen Säuglinge, Erwachsene und immundefiziente Patienten. Demgegenüber kann die Sterblichkeit an Masern in Entwicklungsländern bis zu 25% betragen. Dies zeigt deutlich, dass die Masernsterblichkeit in erster Linie kein Problem der Industrienationen, sondern der Lebensumstände in den Entwicklungsländern ist (Unterernährung, enge Wohnverhältnisse und dadurch hohe Infektionsdichte für gefährdete kleine Säuglinge!). Noch in den 90er Jahren waren Masern in Deutschland häufig, Ärzte waren es gewohnt, sie zu behandeln und Eltern mit der Krankheit vertraut. Seit der Intensivierung von  Impfkampagnen und der Einführung der Meldepflicht für Masern mit Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes im Januar 2001 sind sie drastisch zurückgegangen, so dass es inzwischen Kinderärzte gibt, die noch nie Masern gesehen haben. Im Jahr 2007 wurden in Europa 3842 Fälle an Masern gemeldet, davon ca. 8 % Säuglinge. Ein Todesfall im Rahmen der akuten Erkrankung wurde nicht gemeldet. Meistbetroffen waren die Schweiz und Großbritannien, in Deutschland kam es zu 570 Masernerkrankungen. Säuglinge tragen relativ das höchste Risiko, als Spätfolge ihrer Masernerkrankung an einer subakut sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE) zu sterben. Diese immer tödlich verlaufende Erkrankung ist in Deutschland nicht meldepflichtig(!), sodass das Robert-Koch-Institut (RKI) sich nicht in der Lage sieht, ihre Häufigkeit anzugeben.  Wahrscheinlich tritt die SSPE heute ca. in der Häufigkeit von 1:10.000 auf, berechnet auf die Gesamtzahl der Erkrankten, was jedoch bedeutet, dass Säuglinge ein deutlich höheres Risiko tragen.

In der vorliegenden Leitlinie möchten wir weiterführende Aspekte nennen zum Umgang mit den Fragen der Masernerkrankung und der Masernimpfung.


GAÄD-Leitlinie Masern und Masernimpfung »

GAÄD-Merkblatt Masern »